mystisches

Teufelskreis

Leichenschmaus

Der Rabe

Mondgebet

Teufelskreis

Die Irrlichter führen
auf finsteren Wegen
zum Schloss ihres Meisters
für das Ritual
durch nachtschwarze Sträucher
gewachsener Ängste
erscheinen die Schatten
in wachsender Zahl

Das Heer der Verdammten
als trutzende Mauer
im Kreis fest umschlungen
formiert sich zum Tanz
ein grölender Reigen
rückt enger zusammen
wer in seiner Mitte
verspürt dunklen Glanz

Gehorsame Sklaven
des mächtigen Meisters
sie hören sein Rufen
und folgen ihm still
geblendete Diener
auf finsteren Wegen
die Irrlichter führen
wohin er sie will

 

(Copyright: hendrik martin eißler)

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Leichenschmaus

Lächelnd zog sie mich
an kräftigen Händen
und führte mich durch
die Zweifel dorthin
wo die Leichen der Zeit
nachts verkehren

Gierige Träume
in unseren Köpfen
so saßen wir nun
beisammen zum Schmaus
von der sterbenden Zeit
uns zu nähren

Zärtlich nahm sie mich
in offene Arme
und führte mich durch
die Kälte dorthin
wo die Leichen der Zeit
sich verzehren

 

(Copyright: hendrik martin eißler)

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Der Rabe

Der Regen trommelt laut aufs Dach,

er weckt mich nicht, ich bin schon wach,
zulange schon,
zu monoton
ist diese Nacht.

Der Rabe ruft mich leis und sacht.

Er schlägt ans Fenster, kenne ihn,
er fordert mich mit ihm zu zieh’n:
„Komm, folge mir,
ich zeige dir…“
„Nein, ich bleib hier!“


Was dieser Geist auch zu mir spricht,
ich folge nicht.

Der Regen schlägt mir ins Gesicht,
der Rabe auf der Schulter sitzt.
Er weiß den Weg, ich kenn ihn nicht,
er lacht verschmitzt.

„Sag, welchen Weg hast du bestimmt?
Sag mir wohin?“
„Wo diese Nacht kein Ende nimmt,
gehe dorthin.“

„Ach, Rabe, warum quälst du mich,

so widerlich?“
„Du weißt ich lass dich nicht im Stich,
dein zweites Ich.“

 

(Copyright: hendrik martin eißler)

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Mondgebet

Kühles Licht der Dunkelheit, 
erweckst mich zur Schlafenszeit. 
Führst mich leise, führst mich sacht, 
durch die stille Vollmondnacht.

Schutzpatron einsamer Seelen, 
was sie dir alles erzählen. 
All die Träume, all die Sorgen, 
hältst du tief in dir verborgen.

Du stiller Freund zur späten Stund. 
Verschworen im geheimen Bund.

 

(Copyright: hendrik martin eißler)

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Magisches Theater

inspiriert durch Hermann Hesse „Der Steppenwolf“

 

Anarchie in den Gedanken
lässt das traute Selbstbild wanken
von dem Wolf der einsam suchend
stetig flüchtig – stetig fluchend

Hier im magischen Theater
wächst Instinkt zu dem Berater
dass wer sich
durchs Leben windet
Wege zur Erkenntnis findet

Raum zum Leben – Raum zum Lachen
und den Wolf zur Beute machen
statt ein Opfer seiner Lügen
mich zersplittern – wieder fügen
wieder sammeln – mich vergießen
Vielfalt meiner Ichs genießen
um dem Weltenlauf zu höhnen
mit Humor dem Dasein frönen

Spiele zwischen Licht und Schatten
haben was wir niemals hatten
halten was wir schon verloren
leben – sterben – neu geboren

Statt Vernunft die uns entzückte
ist hier Platz nur für Verrückte
Vorhang auf im Seelenland
Eintritt kostet den Verstand

 

(Copyright:

hendrik martin eißler)